22.08.2026: Alpenquerung oder Flachlandquerung
- vor 2 Tagen
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Autor: Patrick Güntensperger

Die Wetterprognosen schwankten hin und her, und ich machte mehrmals ein Wetterupdate und änderte die Pläne. Nach intensiver Recherche hatte ich schliesslich einen guten Alternativplan zusammen, der nach meiner Einschätzung etwa 50:50 funktionieren könnte.
Aus der geplanten Alpenquerung wurde nun eine Flachlandquerung mit Anschluss in die Freiburger Voralpen.
Von einer Riesengruppe mit ursprünglich 25 interessierten Mitgliedern des GCL machten sich am Schluss noch vier Piloten auf den Weg zum Le Suchet in der Nähe von Yverdon-les-Bains. Ehrlich gesagt: zum Glück! Mit meinen eher lapidaren Französischkenntnissen hätte ich wohl auch kein Shuttle für 25 Piloten organisieren können.
Dann klingelte am Samstagmorgen der Wecker, draussen schüttete es in Strömen. Eigentlich wollte ich schon gar nicht mehr los. Da kam mir aber der Spruch eines Top- Piloten in den Sinn: „Es hat immer irgendwo Thermik.“ Also los! Ich packte sogar noch einen Regenschirm zu meinem Gleitschirm. Das gab es bei mir noch nie.
Guido und Adrian fuhren mit dem Auto zu mir und gemeinsam machten wir uns mit dem öV von Emmenbrücke nach Baulmes auf den Weg. Dank der spannenden Gleitschirm- Diskussionen vergingen die 2 Stunden und 50 Minuten Zugfahrt wie im Flug. In Yverdon reichte es sogar noch für einen Kaffee to go.
Der vierte GCLer, Harm, holte uns zusammen mit einem Kollegen am Bahnhof ab, und gemeinsam fuhren wir zum Startplatz. Eine superspannende Fahrt mit zwei sympathischen Holländern aus Appenzell.
Oben angekommen, nach einem kurzen Hike wurde ich auch schon nervös: Der Wind hatte zwar starke Böen, war aber gut händelbar. Die Wolkenbildung sah fast perfekt aus. Ein bisschen mehr Sonne wäre zwar schön gewesen, aber eigentlich sollte es funktionieren. Also los, starten! Geplant war eigentlich ein Start gegen Mittag. Um 11 Uhr waren wir aber bereits oben. Also noch schnell ein Gruppenfoto und dann ab in die Luft.
Um 11:30 Uhr kam ich raus und es ging ratzfatz auf 2200 Meter. Eine super Höhe, um die Flachlandquerung in Angriff zu nehmen. Ich drehte noch ein paar Extrarunden, um auf Guido und Adrian zu warten. Guido hatte dann wohl etwas zu wenig Geduld und flog raus, fand aber nichts Brauchbares. Adrian meinte über Funk, ich müsse nicht auf ihn warten.
Kurze Zeit später meldete er, dass er ebenfalls gleich bei Guido landen würde.
Harm und sein Kollege wollten erst später starten und nur lokal fliegen, da sie ihre Autos am Start- und Landeplatz stehen hatten.
Also machte ich mich allein auf den Weg in Richtung Freiburger Voralpen. Dabei war ich etwas erstaunt über die vielen Lufträume, oder vielleicht war ich einfach nicht gut genug vorbereitet.
LSGY Yverdon konnte ich problemlos passieren bzw. überfliegen. Bei der TMA Payerne 6 HX konnte ich allerdings über die Tower-Frequenz niemanden erreichen. Das hat bei mir nicht funktioniert, vielleicht könnte sich das mal jemand anschauen bzw. mich an die Hand nehmen. Als ich die Untergrenze erreicht hatte, musste ich deshalb weiterfliegen, obwohl der Luftraum möglicherweise nicht aktiv gewesen wäre. Danach musste ich immer wieder aufpassen, dass ich nicht in die TMA Geneva 5 mit FL75 geriet. Später konnte ich den Flugplatz Gruyères gerade noch so knapp überqueren. Leider flog ich bei der Querung auf eine Wolke zu, die sich gerade auflöste. Mit ein wenig Fluchen schaffte ich es aber. Arschknapp, Glück gehabt! Für mich war der Flug unglaublich lehrreich, insbesondere was die Luftraumerfahrung betrifft.
Was mich besonders gefreut hat: Adrian konnte sich mit einem Low Save wieder ausgraben. Dadurch haben wir uns immer wieder gesehen und konnten uns zwischendurch kurz über Funk austauschen. Das war richtig cool.
Das Flachland ging langsam, aber es ging. Für mich wurden dann allerdings ausgerechnet die Voralpen zur eigentlichen Challenge. Der Wind kam gefühlt ständig aus einer anderen Richtung und die Abschattungen wurden immer grösser. Dadurch wurde es zunehmend zur Glückssache. Adrian versuchte sein Glück anschliessend noch im Simmental, während ich in Sangenboden landete. Dort erschrak ich ein wenig, als ich feststellte, dass das nächste Postauto erst am nächsten Tag fahren würde.
Zum Glück nahm mich das erste Auto mit und brachte mich wieder zurück in die
Zivilisation. Harm war ebenfalls sehr happy mit seinem Flug. Er konnte rund 30 km ins Flache fliegen und anschliessend nochmals etwa 20 km zurück.
Am Schluss waren drei von vier Piloten glücklich mit ihrem Flug und der Airtime. Aber wie es bei diesem grossartigen Hobby nun einmal ist: Es geht nicht immer auf. Ich war jedenfalls froh, dass ich den Anlass wegen der unsicheren Prognose nicht abgesagt hatte und wir es einfach versucht haben. Alles in allem war es für mich ein toller Flug und ein super Tag mit coolen Piloten. Die ursprüngliche Alpenquerung zum Finsteraarhorn wurde zwar nichts, dafür gab es eine spannende Flachlandquerung, viele neue Erfahrungen und jede Menge Geschichten. Und das Landebier konnte ich am Schluss sogar noch mit meinem Rückfahrretter aus dem Nirvana nehmen.




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