07.-08.08.2026: Architektur Hike & Fly - Schweizer Architekturperlen aus der Luft
- 7. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Autor: Julian Kersting

Zweihundert Mitglieder zählt der Gleitschirmclub Luzern. Zweihundert Kriegerinnen und Krieger des Windes, zweihundert Meisterinnen und Meister der Thermik. Und als der Ruf erging, gemeinsam auszuziehen, um die steinernen Wunderwerke der Meister Herzog & de Meuron aus der Luft zu huldigen – da regten sich die Reihen der Tapferen, und es fanden sich...
drei.
Nicht mehr, nicht weniger. Drei Gefährten wagten sich dorthin, wo die anderen 197 lieber in ihren warmen Hobbit-Löchern verweilten. Zwei weitere hatten sich zum Auszug bereit erklärt, doch das Schicksal – dieser hinterhältige Schurke – schlug erbarmungslos zu: Der eine ward von einer Mücke meuchlings ins Auge gestochen und musste sich einer Entzündung ergeben, ehrenvoll gefallen im Kampf gegen ein Insekt. Der andere wurde von einer noch grausameren Macht gebunden – einer bevorstehenden Hochzeitsrede, deren Übung keinen Aufschub duldete. So blieben nur sie: Legolas, der Leichtfüssige, Aragorn, der Beharrliche, und Gimli, der Beladene.
Erster Tag: Der Aufstieg zum Alvier
Der Weg zum Alvier ist kein Weg für Schwächlinge. Eine steile Leiter versperrte den Gefährten den Pfad, und während Legolas mit der Behändigkeit seines Volkes emporstieg, kämpften sich Aragorn und Gimli mit schweren Rucksäcken die Sprossen hinauf – voller Zuversicht, dies seien die einzigen Höhenmeter, die das Wochenende von ihnen fordern würde.
Ha. Wie naiv, edle Gefährten. Wie herrlich naiv.
Doch das Leid wurde belohnt: In der Hütte erwartete sie kein kärgliches Lembas-Brot, sondern ein Festmahl. Die Hüttenköchin, eine Fee der Kochkunst, tischte ein ganzes Buffet auf, und die drei Recken hielten sich – ihrer Legende würdig – in keiner Weise zurück. Der Alvier verschwand im Nebel, wie ein Berg, der sich schämt, den Gefährten beim Verdauen zuzusehen, und die Krieger sanken in ihre Betten.
Zweiter Tag: Von Schlorzifladen und Nebelschwaden
Mit dem Sonnenaufgang standen die Gefährten auf – tapfer, entschlossen, bereit für die Prüfungen des Tages. Und wohin führte sie ihr erster Weg? Zurück ans Buffet, versteht sich. Ein wahrer Ritter kämpft nicht auf leeren Magen.
Den Rest des Vormittags verbrachte man mit der hohen Kunst des Herumliegens und dem Verzehr von Schlorzifladen – jener sagenumwobenen Speise, deren Name allein schon Kraft verleiht. Kurz vor Mittag dann der Start: direkt vom Gipfel neben der Hütte, hinein in einen zähen Nebel. Der Chäserrugg war in Sicht, fern und trotzig, und die drei kämpften sich Stück für Stück in seine Richtung, wie einst die Gefährten durch die Minen von Moria – nur mit besserer Aussicht und weniger Orks.
Schliesslich soffen Aragorn und Gimli etwas unterhalb des Paxmals ab, während Legolas, wie es sich für einen Elben gehört, 400 Meter weiter oben landete – nicht ganz am Gipfel, aber immerhin bei den Kühen, wo ein Elb eben landet, wenn er es mit der Zielgenauigkeit nicht ganz so genau nimmt. Er beschloss, seinen Rucksack unter einem Baum zu deponieren und zu seinen Gefährten hinunterzujoggen, um das Paxmal zu besichtigen. Doch der Weg dorthin führte über einen Klettersteig – und ausgerechnet diesen mussten alle drei wieder hinaufsteigen, denn man hatte sich entschieden, zum Chäserrugg hinaufzulaufen. Mit den schweren Rucksäcken war dies hart an der Grenze des Machbaren, doch die Gefährten meisterten auch diese Prüfung.
Eine kurze Verschnaufpause, ein Rakete-Glacé, um Gimlis Gemüt zu besänftigen – der zuvor lautstark über die Strapazen der Wanderung geklagt hatte, wie es sich für einen Zwerg mit schwerem Gepäck gehört. Doch mit der Zeit wurde er merklich still, und Legolas, der wachsame Elb, begann sich Sorgen zu machen. 1300 Höhenmeter hatten die drei bereits bezwungen, die meisten davon mit schwerem Gepäck – nur Legolas reiste, wie es sich für sein Volk gehört, in leichter Ausrüstung.
Der Gipfel-Palast und die Hochzeit der Menschen
Schliesslich standen die drei Gefährten gemeinsam vor dem mächtigen Gipfelrestaurant der Baumeister Herzog & de Meuron – einem Bauwerk, majestätisch wie Minas Tirith, nur mit besserer Küche. Nach einem Zwischenstopp und einer gebührenden architektonischen Würdigung wurden die Recken höflich zum Gehen gebeten – nein, seien wir ehrlich: hinausgeworfen. Denn im Saal fand eine Hochzeit der Menschen statt, und für staubige, erschöpfte Gefährten mit Fluggeschirr war dort kein Platz.
Der epische Abendflug
Noch einmal schleppten sich die drei einige Meter höher, hinauf zum Hinterrugg, und starteten von dort Richtung Nesslau – zu ihrer Linken thronten die mächtigen Churfirsten wie eine Mauer aus vergangenen Zeitaltern. Was folgte, war ein Flug für die Ewigkeit: episch, golden, unvergesslich.
Alle drei Gefährten meisterten die letzte Prüfung und landeten wohlbehalten auf einer Wiese nahe dem Bahnhof Nesslau – müde, staubig, aber erfüllt vom Stolz jener, die ausgezogen sind, wo 197 andere zu Hause blieben.




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