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13.02.2026: Spontan-Baustoff-Transport an der Cimetta oder warum ich «Spontan» liebe

  • 15. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Autor: Beat Bischof


Was hat ein Baustoff-Transport aus dem Tessin mit Spontaneität und Gleitschirmfliegen zu tun? Guido benötigte einige hundert Liter Baustoffe aus dem Tessin, doch der kostspielige Lastwagentransport war weiterhin nicht einmal definitiv zugesichert. Kurzerhand entschied er sich, die Materialien am Freitag selbst mit dem Auto abzuholen – und diese Fahrt gleich mit einem Flug an der Cimetta zu verbinden. Man könnte es als klassische Spontan-Combo bezeichnen.



„Wer kommt spontan mit?“, fragte er in die Runde. Ein Platz im Auto nach Locarno sei noch frei, und selbst wenn die Bedingungen nicht optimal sein sollten, wollte er einen Flug an der Cimetta auf jeden Fall versuchen.


Seit seiner Anfrage am Dienstag verbesserten sich die Tessiner Flugprognosen für Freitag stetig. Entsprechend meldeten sich gleich mehrere GCL-Piloten mit Interesse an diesem begehrten letzten Platz. Problems of Success? Nicht für Guido: „Kommt einfach in meinen privaten Chat, wir regeln das spontan.“Genau so kam es dann auch.


Am Freitagmorgen traf sich ein gut gelauntes Grüppchen aus vier Piloten (Rebekka, Jonas, Noel und Beat) im Zug nach Locarno, um dort Guido und Mike zu treffen, die mit dem Auto unterwegs waren. Das trübe Wetter im Norden liessen wir rasch hinter uns, und nach knapp 1,5 Stunden fuhr der Zug ins frühlingshaft grüne Locarno ein. Entlang der Standseilbahn nach Orselina lag der Duft von Sonne, Erde und südlichen Palmen in der Luft. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar: Spontaneität zahlt sich aus! Auch die Thermik zeigte erste Anzeichen von Präsenz.


An der Cimetta angekommen, präsentierte sich der Berg noch dick und metertief eingeschneit, das Startgelände war jedoch wie gewohnt vorbildlich planiert. Erste Aufwinde zupften regelmässig an der Tessiner Fahne und liessen sie phasenweise steigen. Windrichtung stimmt!



Da man im Tessin einen Cappuccino bekanntlich nicht nach dem Mittagessen bestellt, wenn man sich nicht vor den Ticinesi lächerlich machen will, legten wir bewusst einen kurzen Zwischenhalt ein, um diesen wertvollen Genuss-Moment nicht zu verpassen.


Anschliessend legten wir die Schirme aus und staunten nicht schlecht, als einige davon meterweit angehoben und versetzt wurden. Es soll auch Piloten gegeben haben, die dabei kurzzeitig ausgehebelt wurden…


Kurz darauf waren jedoch alle in der Luft. Bereits direkt nach dem Start trug uns kräftige Thermik auf über 2000 Meter. Ein zügiger Westwind verstärkte diese bis auf rund 2600 Meter, machte sie jedoch auch anspruchsvoll und unruhig.


Guido konnte aufgrund des Transports nicht lange bleiben und musste wieder in Locarno landen. Die anderen nahmen Kurs Richtung Mornera oder altes Flugfeld Locarno und genossen das eindrückliche Panorama: tiefblauer Himmel, verschneite Dreitausender, grüne Wiesen im Tal und Fasnachtsstimmung in den Dörfern. Es fühlte sich weniger nach Winter an, eher nach einem frühlingshaften Ausritt in der Luft. Zwischendurch liessen sich sogar Achtmeter-Schläuche ausdrehen, während das Vario vor Schmerz schrie und vor Begeisterung kreischte, in so abartigen Tönen, wie man sie seit mindestens letztem Jahr nicht mehr gehört hat.


In Mornera angekommen – noch etwas früh zum Landen – reifte der Entschluss, die Cimetta erneut anzufliegen und anschliessend Richtung Bellinzona weiterzufliegen. Über dem Verzascasee nahm die Turbulenz jedoch weiter zu und wurde richtig unangenehm. Es erforderte viel Konzentration und aktive Arbeit, den Schirm einigermassen sauber zu führen. Ich entschied mich, diesen ersten thermischen „Rodeoflug“ des Jahres umsichtig anzugehen und schon vor dem Gipfel der Cimetta die erneute Wende nach Mornera einzuleiten.


Noel, der ebenfalls kräftig durchgeschüttelt wurde, wählte einen anderen Ansatz: Er landete bei der SAC-Hütte oberhalb von Mornera, gönnte sich ein kurzes Mittagessen samt Umtrunk und liess sich anschliessend dank des starken Windes wieder aus dem tiefen Schnee heben. Dass er damit angeblich auch eine leichte Seekrankheit kuriert habe, bleibt ein augenzwinkerndes Gerücht.


Ein Fluggrinsen stellt sich meist dann ein, wenn die Bedingungen die Erwartungen übertreffen und ein optimistischer Plan bis ins Detail aufgeht – auch oder gerade dann, wenn er so spontan entstanden ist. Genau das war an diesem Tag der Fall. Die Bedingungen waren sportlich, aber gerade noch gut bewältigbar. Auf jeden Fall haben sie uns gründlich durchgeschüttelt und endgültig aus dem Winterschlaf gerüttelt. Willkommen Frühling!


Ganz spontan erlebten wir einen gelungenen ersten Frühlingstag im Tessin. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Umtrunk in Bellinzona, mit dem unser gut aufgelegtes Pilotenteam den Tag ausklingen liess. Es war grossartig mit euch – jederzeit gerne wieder und danke an Guido für das Teilen seiner Sponti-Idee. Ich sage: Sponti forever!!!


Ganz nebenbei stellten wir fest: Die Tessiner beherrschen die Fasnacht ebenso eindrücklich wie die Luzerner. Vor dem Bahnhof von Bellinzona präsentierte sich jede Schulklasse geschlossen in einem originellen Sujet: Fliegenpilze, Adler, Blumensträusse, Imker und Bienchen, Waldschrate, Hexen und viele mehr samt Guggenmusig. Beeindruckend, wie begeisternd stimmungsvoll die Tessiner Fasnacht hier zelebriert wird.



 
 
 

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