15.10. - 16.10.2022 «Höhenmetersammeln» im Berner Oberland

Autoren: Maurus Bernegger & Fabio Bertuzzi


Tag 1


Eigentlich war ja ursprünglich geplant, an diesem Wochenende im Berner Oberland "Höhenmeter zu sammeln". Wegen dem unpassenden Wetter musste aber die Rundtour über das Albristhore und den Wildstrubel vertagt werden. Stattdessen organisierte Kevin ein Alternativprogramm im Tessin.

Samstags um 08:18 trafen sich Kevin, Fabio und Maurus in Luzern auf dem IC nach Bellinzona. In Arth-Goldau stiess noch Urs dazu. Doch fehlte da nicht noch jemand? Etwas später meldete sich Tom per Chat-Nachricht: sein Wecker hat nicht funktioniert! Er kommt aber so bald als möglich nach.

Über Bellinzona gelangen wir mit dem Bus ins Valle Onsernone. In Russo steigen wir noch einmal um und fahren bis Gresso, im Valle die Vergeletto. Wer es nicht kennt: das Valle Onsernone ist schmal und steil wie eine Schlucht. Der Fluss Isorno ist direkt von bewaldeten Steilhängen umgeben, die sich bis zu den umliegenden Berggipfeln erstrecken. Hier will man definitiv nicht mit einem Gleitschirm reinlanden müssen! Zum Glück sieht unsere Tagestour einen direkten Flug ins Maggiatal vor. So nehmen wir nach einer kurzen Kaffeepause in Gresso die rund 1'000 Höhenmeter zum Pizzo della Bassa in Angriff. Kurz vor dem Gipfel auf 2023 m.ü.M. lassen wir die Waldgrenze hinter uns und erreichen startbare Wiesen. Doch gleichzeitig verdichten sich auf dieser Höhe die Wolken und wir stehen auf dem Gipfel im Nebel.




Nach einer kurzen Mittagsrast entscheiden wir uns für Aktivismus, anstatt tatenlos abzuwarten und beginnen mit dem Abstieg in Richtung Maggiatal. Da es kaum Wind hat, kann praktisch in jede Richtung gestartet werden und auf der Karte meinen wir diverse Optionen für einen Start unter der Wolkenbasis ausmachen zu können. Nachdem sich der Passo della Bassa als zu stark bewaldet herausstellt, beschliessen wir noch zur gegenüberliegenden Alpe Canaa zu laufen. Spätestens beim Auslegen des Schirms auf dem gut gepflegten Rasen vor der Hütte sind wir uns sicher: dem Flug ins Maggiatal steht nichts mehr im Wege.


Nach einem kurzen Flug laden Kevin, Fabio und Urs direkt neben dem Campingplatz in Avegno. Maurus landet in Ronchini und kommt mit dem Bus nach. Tom, der in der Zwischenzeit einen Flug von der Cimetta gemacht hat, konnte ebenfalls direkt beim Campingplatz landen. Nachdem wir unsere Bungalows bezogen haben, lassen wir es uns bei einem gemütlichen Abendessen im Restaurant gut gehen. Das Käsefondue, die Spezialität des Restaurants Bella Riva, können wir wärmstens weiterempfehlen.



Tag 2


Für den zweiten Tag haben wir eine der Kuppen zwischen Maggia und Verzascatal ins Auge gefasst. Für den Finalen Flug ins Delta bei Locarno. Im Camping Piccolo Paradies gab es ab 8:00 Frühstück und die Wetterprognose war sowieso erst ab dem Nachmittag vielversprechend, um auch tatsächlich, bis Locarno fliegen zu können.

Nach dem gemütlichen Frühstück nehmen wir noch kurz den Bus nach Maggia und schwingen uns ab dort auf über einen Rücken himmelwärts.

Der Herbst im Tessin ist jedes Mal wieder ein geniales Erlebnis. Mit einem zügigen Tempo geht es kontinuierlich vorwärts. Trotzdem bleibt immer mal wieder Zeit das Umfeld zu geniessen. Es raschelt unter den Füssen und der Talboden ist bei jedem Blick zurück, weiter entfernt. Einige idyllische Alpen auf dem sind bereits eingewintert, jedoch die Capanna Nimi auf 1720 m ist noch offen und wir lassen uns zwischen den Ziegen nieder für eine Erfrischung und etwas lokalen Käse.

Ein Blick in die Höhe eröffnet jedoch bereits Öffnungen in der Wolkendecke und zeigt, wo potenziell geeignete Abflugplätze sind.


So begeben wir uns wieder auf den Weg, um noch die letzten Höhenmeter unter die Füsse zu nehmen und den Idealen Zeitpunkt für einen Start zu erwischen.

Langsam machen sich die Höhenmeter in Kombination mit der Flugausrüstung bemerkbar und die Vorfreude auf den Flug steigt. Auf der Ersten Kuppe, dem Cima auf 2099 m herrscht jedoch noch etwas Skepsis den Flug so weit verlängern zu können, dass es zuverlässig zum angepeilten Landeplatz reicht. Wir entscheiden uns noch einen Berg weiterzugehen.


Dann auf dem Mött die Pegor angekommen beginnen wir unser Material auszupacken und startbereit zu machen. Jedoch, genau wenn alle bereit sind, ziehen Wolkenfetzen über den Bergspitz und der Thermische Wind schläft ein… kommt vertraut vor nach dem gestrigen Tag.


Nach etwas Geduld schaffen es jedoch alle in die Luft. Tatsächlich kann man sich sogar oberhalb des Cimetta noch etwas halten und sogar ein paar vollkreise in der Thermik drehen. Es reicht problemlos bis zum Delta. Für Urs hat es sogar bis Bellinzona gereicht!

Alle sind nun wieder glücklich am Boden und wir machen uns auf den Rückweg in die Zentralschweiz.


Mit müden Beinen aber einem grossen Grinsen im Gesicht.